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Undurchsichtige Rolle von Appenzeller CVP-
Vertretern
Umstrittene
Finanzgesellschaft MWB soll mit Steuergeschenk angelockt worden
sein
VON HANSJÖRG RYSER
APPENZELL
CVP- Spitzenpolitiker geraten in den Dunstkreis der umstrittenen
deutschen Finanzgesellschaft MWB ( siehe Kasten) .
Dazu gehören die frühere Bundesrätin und Appenzeller
Finanzdirektorin Ruth Metzler, der ehemalige Finanzdirektor
Charly Fässler sowie der frühere Appenzeller Landammann und
die Bundes- Parlamentarier Carlo Schmid und Arthur Löpfe.
Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft in Essen gegen
Tausende von MWB- Kunden wegen des Verdachts, auf diesem Weg
Schwarzgelder am Fiskus vorbeigeschleust und damit gravierende
Steuerdelikte begangen zu haben.
Der deutsche Anlegeranwalt Hartmut Göddecke wirft der
Finanzgruppe des deutschen Versicherungsberaters Hanspeter
Fieber, zu welcher die MWB zählt, zudem Anlagebet! rug vor und
hat in Köln eine entsprechende Strafanzeige eingereicht. Und Tanja
Celler von der Münchner Kanzlei Mattil fordert für ihre
Anlegergemeinschaft vom MWB Schadenersatz.
Die Kunden hätten durch horrende Gebühren enorme Verluste
erlitten, wird MWB vorgeworfen.
Anlegerschützer in
Deutschland warnten vor der MWB
Die Vorwürfe
sind nicht neu. Schon seit Anfang der Neunzigerjahre wurde von
Anlegerschutzvereinigungen in Deutschland vor der MWB und der
Anlegergesellschaft Rekord gewarnt und auf die
Schwarzgeldproblematik hingewiesen. Die Autoren des bekannten
Anlegerbriefs Gerlach- Reports schalteten dazu das Deutsche
Versicherungsamt und den Deutschen Versicherungsverband ein.
Es war 1998, als der MWB seinen Sitz von Zürich ins
beschauliche Appenzell verlegte, die Geschäftstätigkeit aber
in Zürich beliess. Im kleinen Kanton rollte man Fieber den
roten Teppich aus. Der SonntagsZeitung liegen Informationen
vor,! wonach ein wichtiges Motiv für die Sitzverlegung ein
Steuerab! kommen mit Appenzell Innerrhoden gewesen sein.
Fieber habe sich von der MWB 25 Millionen Franken ausschütten
lassen – dank Steuerabkommen steuerfrei. Im Gegenzug habe er
sich verpflichtet, fünf Jahre in Appenzell zu bleiben. Fässler
habe dieses Abkommen mit der Appenzeller Finanzdirektion
ausgehandelt, der er zehn Jahre vorgestanden war und die zum
fraglichen Zeitpunkt seit zwei Jahren von seiner Nachfolgerin
Ruth Metzler, der späteren Bundesrätin und Justizministerin,
geführt wurde.
Zustimmen musste letztlich die gesamte Regierung, der damals
auch CVP- Ständerat Carlo Schmid als Regierungsrat angehörte.
« Ich mag mich nicht an ein solches Abkommen erinnern » , sagt
Schmid heute dazu. Ebenso Löpfe, der Landammann war. Und wenn
es ein solches Abkommen gegeben hätte, fügt Löpfe an, wäre
er beim Regierungsentscheid sicher in den Ausstand getreten. Als
Treuhänder, sagt Fässler, sei er an die Schweigepflicht
gebunden und dürfe sich dazu nicht äussern. Die an Ruth
Metzler übermittelten Fragen blieben bis Redaktionsschluss
unbeantwortet.
Fässler wurde kurz nach
seinem Rücktritt aus der Regierung, wo er als Finanzdirektor
auch oberster Chef der Appenzeller Steuerbehörde war,
Verwaltungsrat des MWB, den er bis heute präsidiert. Fässler:
« Ich bin von der Qualität der MWBDienstleistungen überzeugt.
» Er legt Wert auf die Feststellung, MWB habe in keiner Weise
zur Steuerhinterziehung beigetragen.
« Steuerberatung gehört nicht zu unseren Dienstleistungen. »
Davon ist auch CVP- Nationalrat Arthur Löpfe überzeugt. Er ist
heute Verwaltungsrat von Arbonia Forster und Miteigentümer der
Schnapsbrennerei Emil Ebneter, Herstellerin des Appenzeller
Alpenbitters. Löpfe gehörte auch während seiner Zeit als
Appenzeller Landammann jahrelang verschiedenen Verwaltungsräten
von Fieber- Gesellschaften an: bis 1997 dem MWB, später dem so
genannten Institut für Finanz und Betriebswirtschaft oder der
inzwischen liquidier! ten Rekord. |