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Sächsische Zeitung vom 07.10.2003, Seite 19:
Die Kultur der Pleite im Kulturpalast
Vor der heutigen Gläubigerversammlung der insolventen BFI-Bank AG in
Dresden machen in der Schuldfrage allerlei Vorwürfe die Runde
Im Dresdner Kulturpalast beginnt heute Morgen die größte
Gläubigerversammlung, die Sachsen je erlebt hat: Rund 2.000 geschädigte
Anleger erhoffen sich Hintergründe zur Pleite der BFI-Bank AG.
Von Ulrich Wolf
Dresden. Andreas Feron kommt mit dem Zählen gar nicht
mehr nach. "Jeden Tag flattern uns neue Strafanzeigen auf den Tisch",
sagt der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft. 30 oder 40 seien es schon,
"vielleicht auch mehr".
Das Thema BFI-Bank sei ein sehr umfangreicher Komplex, es werde weiter mit
Hochdruck ermittelt. Die Vorwürfe reichten von Anlagebetrug über Untreue bis
hin zur Insolvenzverschleppung. Laut Feron richten sich die Strafanzeigen gegen
ehemalige Verantwortliche der Bank, gegen frühere Vorstände und
Aufsichtsräte, aber auch gegen die Verkäufer der Bankprodukte.
BFI - drei Buchstaben, die Jahre lang laut Eigenwerbung als Garant für eine
erfolgreiche Geldanlage standen. Noch im Herbst vorigen Jahres hieß es:
"Die sich fortsetzende Dynamik im laufenden Geschäftsjahr stellt den
Erfolg unseres Vertriebssystems nachdrücklich unter Beweis." Nur wenige
Monate später verursachte dieses System die größte Pleite Sachsens. Rund
16.000 Gläubiger machen Forderungen geltend. Die Verbindlichkeiten der Bank
beliefen sich Mitte Juli auf 223 Millionen Euro.
Auf der Suche nach den Schuldigen geraten viele Beteiligte ins Visier: Die
Bankenaufsicht, die nach Aussagen von Anlegeranwälten zu spät eingegriffen hat
und laut BFI-Aufsichtsratschef Karl-Heinz Wehner die Übernahme der Bank durch
einen französischen Investor verhindert haben soll. Ex-Vorstand Klaus-Peter
Kirschbaum, von dem einige Produktverkäufer behaupten, er habe sie über die
Schieflage der Bank zu spät informiert. Mit Dieter Kaidel sitzt der Chef der
BFI-Repräsentanten Sevice AG, über die die Provisionsabrechnungen für die
Produktvermittler liefen, in Würzburg bereits in Untersuchungshaft. Auch der
Wirtschaftsprüfer der Bank, KPMG, wird sich einige unangenehme Fragen gefallen
lassen müssen, lautete doch der Bestätigungsvermerk vom September 2002:
"Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt."
Die Schlüsselfigur aber ist und bleibt Bankgründer, Aufsichtsratschef und
Großaktionär Karl-Heiz Wehner. Von ihm sagt zum Beispiel Wirtschaftsdetektiv
Medard Fuchsgruber, zugleich Sprecher der Aktionsgemeinschaft BFI Bank AG:
"Aus Wehners eigenem Wertpapierbestand wurden BFI-Aktien an
Vermögenssparer verkauft, bis zu rund 800.000 Euro im Monat." Eine andere
Masche der Bank unter Wehners Führung sei es gewesen, mit lukrativen Zinsen
Tagesgelder zu sammeln, um im Gegenzug langfristige Kredite zu vergeben, die
wiederum in BFI-eigene Fonds geflossen seien. Drei dieser Fonds, verwaltet durch
die BFI-Tochter Eagle Investment Funds Management S.A. in Luxemburg, wurden
Mitte Juli mit der Insolvenz aufgelöst.
Auch für den Münchner Anlegeranwalt Peter Mattil scheint festzustehen:
"Vieles spricht dafür, dass Betrug und Untreue bei der BFI an der
Tagesordnung waren." Und ein ehemaliger Repräsentant der Bank spricht gar
den Verdacht aus, die Insolvenz sei von Wehner und Co. extra herbeigeführt
worden. "Die Vorstände und Aufsichtsräte haben kassiert, und ihre Schuld
übernimmt eine Haftpflichtversicherung; der Schaden bleibt allein bei uns
Verkäufern hängen." Dagegen werde er sich wehren.
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