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Fuldaer Zeitung/Hünfelder Zeitung Nr. 85 v. 10.04.2003, S. 10
Ermittlungen gegen Deutsche Mentor für Finanzen / Geld in der
Schweiz?
Vorstand unter Verdacht des Betrugs: Haftbefehl
Von unserem Redaktionsmitglied Stefan Schaaf
Fulda – Der Zusammenbruch der Deutschen Mentor für Finanzen AG zu Beginn
des Jahres beschäftigt inzwischen Staatsanwaltschaft und Gerichte: Gegen den
früheren Vorstand Sarkan Izmirlioglu besteht ein Haftbefehl, der gegen
Meldeauflagen außer Kraft gesetzt ist. Außerdem hat ein Anleger auf
zivilrechtlichem Weg die Rückzahlung von Geld eingeklagt, das er bei dem
Unternehmen angelegt hatte.
Wie die FZ im Februar berichtete, ermittelte die Staatsanwaltschaft Fulda
wegen Betruges gegen Izmirlioglu. Dem folgte zwischenzeitlich der Haftbefehl,
der nach Angaben von Harry Wilke, Sprecher der Fuldaer Staatsanwaltschaft,
solange ausgesetzt ist, wie sich der Vorstand täglich bei der Polizei meldet.
Das Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Sponsor der Fußballer von Borussia Fulda
läuft unterdessen weiter. "Es sind sehr langwierige Ermittlungen",
sagte Wilke. Izmirlioglu hatte als Einzelkaufmann unter dem Namen "Deutsche
Mentor für Finanzen e.K." in Frankfurt Genussrechte verkauft. Die AG
gleichen Namens hatte ihren Hauptsitz ebenfalls in der Mainmetropole, führte
ihre operativen Geschäfte allerdings seit Sommer vergangenen Jahres in einem
aufwändig umgebauten Gebäude in der Fuldaer Rabanusstraße. Die AG handelte
hauptsächlich mit Derivaten, hochriskanten Abkömmlingen von Wertpapieren. Ende
des vergangenen Jahres war das Unternehmen von der Finanzaufsicht aufgefordert
worden, Geschäfte rückabzuwickeln, für die es keine Genehmigung der
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) besaß. Seither warten
viele Anleger auf ihr Geld, das sie voraussichtlich nie mehr wieder sehen
werden. Denn nach der Zahlungsunfähigkeit der AG stellte Izmirlioglu auch über
sein Privatvermögen am 6. Februar einen Insolvenzantrag.
Einen kleinen Rest Hoffnung können Anleger schöpfen, falls der Vorstand
wegen Betruges verurteilt wird. In diesem Fall erlösche die Restschuld nicht
nach sechs Jahren wie bei einer normalen Insolvenz, erläutert Rechtsanwalt
Peter Mattil von der Münchener Kanzlei Mattil, Kärner & Kollegen. Mit
anderen Worten: Ein wegen Betruges Verurteilter müsste lebenslang seine
Schulden zurückzahlen. Mattil hat im Namen eines Mandanten beim Landgericht
Fulda ein Versäumnisurteil gegen die Deutsche Mentor für Finanzen e.K.
erwirkt. Demnach muss Izmirlioglu den Anlagebetrag und Zinsen in Höhe von fünf
Prozent über dem jeweiligen Basiszinssatz zahlen. Gegen das Urteil habe sich
der Mentor-Chef nicht juristisch gewehrt, nachdem er gegen alle vorherigen
Mahnbescheide vorgegangen sei.
Bei der Suche nach dem Verbleib der Kundengelder führte eine Spur in die
Schweiz. Izmirlioglu hatte der FZ Anfang Januar ein Dokument der Neuen
Direktbank in Zürich vorgelegt. Ab Sommer diesen Jahres könne er über das
Geld verfügen, hatte er erklärt.
Auch Rechtsanwalt Peter Mattil steht nach eigenen Angaben in Schriftverkehr
mit dem Schweizer Geldinstitut. Sobald das Fuldaer Urteil zugestellt ist, werde
man in Zürich die Pfändung betreiben. Der Jurist äußerte sich allerdings
skeptisch zu dem von Izmirlioglu vorgelegten Schriftstück: "Ich bin der
Meinung, dass es inhaltlich falsch ist." Das vermeintlich festverzinsliche
Wertpapier über 37 Millionen Euro sei "entweder kein Wertpapier oder ein
wertloses Wertpapier". Und darin liegt möglicherweise eine Hoffnung für
geprellte Anleger. Sollte nämlich die Bank falsche Angaben gemacht haben, dann
müsste sie, so Mattil, haften, sprich zahlen.
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