Börsen-Zeitung vom 10.09.2003:

Kunden stellen Strafanzeige gegen Ex-BFI-Bank-Manager
Sorge um Einlagen bei insolventem Dresdner Institut

ste Frankfurt - Im Insolvenzfall BFI Bank werfen Kunden der ostdeutschen Privatbank früheren Managern Betrug und Untreue vor und haben Strafanzeige gestellt. Entgegen ersten Meldungen habe die Insolvenz die Bank nicht wie ein "Blitzschlag" getroffen, sondern sei auf "jahrelange, nicht zu überbietende Misswirtschaft" zurückzuführen, teilten die Kundenanwälte nun mit. Inzwischen würden Unterlagen vorliegen, die Untreue-Handlungen gegenüber den Bankkunden belegen.

Die Münchener Anwaltskanzlei Mattil & Kollegen verweist auf den Lagebericht der Bank zur Bilanz 2001, in dem eine Gefährdung der Fortführung des Bankgeschäfts nicht ausgeschlossen worden sei. Dennoch seien weitere Anleger, vor allem Kleinsparer, angeworben worden. Die Betrügereien der Bank fielen dem Vernehmen nach der Finanzaufsicht in Luxemburg, wo das Kreditinstitut eine Zweigstelle unterhielt, bereits im Jahr 2000 auf.

Kritik an Aufsicht und Prüfer

Obwohl ein entsprechender Bericht der deutschen Bankenaufsicht frühzeitig zugeleitet worden sei, habe die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erst am 7. April dieses Jahres ein Moratorium angeordnet, merkten die Anwälte an. Zudem habe das Institut trotz der "chaotischen Zustände" jährlich uneingeschränkte Testate erhalten.

Die meisten der 66.000 Privatkunden der BFI Bank fürchten nun nach Angaben der Kanzlei um ihre Einlagen, da lediglich ein kleiner Teil der Gelder durch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) gesichert sei. Über die EdB sind 90 % der Kundeneinlagen bis maximal 22.000 Euro geschützt. Darüber hinaus dürfen die geschädigten Kunden allenfalls eine Abfindung in Höhe der Quote im Insolvenzverfahren erwarten. Da diese als gering eingeschätzt wird, schlossen sich Geschädigte nun zu einer Interessengemeinschaft BFI-Kunden zusammen, die Schadenersatzansprüche gegen die Geschäftsleitung und die Wirtschaftsprüfer durchsetzen will.

Die BFI Bank war auf Immobilien-, Wohnungsbau- und Provisionsfinanzierung für Vertriebsgesellschaften spezialisiert, bot aber auch Festgeldkonten und Wertpapiersparverträge an. Zum Februar 2003 soll das Institut Verbindlichkeiten gegenüber Kunden von 216 Mill. Euro geführt haben. Am 20. Mai hatte die BaFin den Entschädigungsfall festgestellt. Mitte Juli berief dann das Amtsgericht in Dresden den Rechtsanwalt Hans-Jörg Derra zum Insolvenzverwalter. Bislang haben nach dessen Angaben gut 15.500 Kunden ihre Forderungen angemeldet.